Was macht eigentlich einen Gottesdienst zu einem “zentralen Gottesdienst”?
Zuerst hatte ich den Bayerischen Rundfunk in Verdacht, den Wichtigmacher “zentral” eingefügt zu haben, um die Meldung über den landesbischöflichen Buß- und Bettags-Gottesdienst aufzupeppen. Aber dann habe ich auf bayern-evangelisch nachgesehen. Das scheint Sprachregelung der Bayerischen Landeskirche zu sein:
… Gedanken wie diese rückt Landesbischof Johannes Friedrich in den Mittelpunkt seiner Predigt zum Buß- und Bettag am Mittwoch, 18. November um 10 Uhr in der Münchner Kreuzkirche. Unter dem Thema „Was zählt noch?” steht der diesjährige zentrale Abendmahlsgottesdienst der bayerischen Landeskirche, Liturgen sind Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Kirchenrat Dieter Breit.
Wer einen Gottesdienst zentral nennt, und sei es auch den mit der Predigt des Landesbischofs, drängt alle anderen Gottesdienste an die Peripherie. Macht sie zu Hilfsgottesdiensten für die, denen der Weg zum Zentrum zu weit ist.
Das Wort “zentral” mag ein Verkaufsargument der Öffentlichkeitsarbeit sein, evangelisch oder gar biblisch ist es nicht.

19. November 2009 at 14:35
Die Sprachregelung, wonach der Buß- und Bettagsgottesdienst mit dem Landesbischof der zentrale Gottesdienst ist, steht für eine paternalistische Art der Kirchenleitung, wie sie typisch geworden ist. Wo ich bin, ist die Mitte. Wo mein Foto mit Geleitwort eine Publikation ziert, dort nihil obstat, mich bekannt zu machen und diese Publikation kirchlich zu siegeln. Abgesehen davon ist ja schön, dass mein Mitarbeiter Dr. Johannes Friedrich zu Buß- und Bettag einen Gottesdienst verantwortet hat. Noch schöner aber ist, dass es ihm viele Pfarrerinnen und Pfarrer in der ganzen Landeskirche gleich getan haben. Der Buß- und Bettag mag nicht publicity-trächtig sein. Aber er ist auf eine stille Weise da und zäh . Darin erinnert er an den Gottesknecht aus dem Jesajabuch, der seine Botschaft nicht marktschreierisch auf die Gassen trug und dennoch wird sie bis heute gelesen und gepredigt . In diesem Sinne ist der Tag doch ein typisch evangelischer Erfolg.
Schöne Grüße, Stefan Kirchberger